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Hier finden Sie die Abstracts zum Kolloquium am 4. und 5. Juli 2008 in Bamberg.
Piotr Scholz (Warschau):
Koptisch oder Islamisch?
Die rasche Ausbreitung des Islam in Ägypten (ab 641) hat mehrere Gründe. Dabei handelt es sich sowohl um die Unzufriedenheit mit der byzantinischen Oberherrschaft als auch um die ägyptische mentale Neigung zu friedlichen Konfliktlösungen.
Die Araber „eroberten“ ein altes Kulturland, in dem sie u. a. hochentwickelte urbane Strukturen vorfanden, tief verwurzelte Jenseitsvorstellungen, die sich u. a. in sepulkralen Bauten niederschlugen, eine reiche und solide handwerkliche Produktion (Keramik, Schnitzerei, Textilien) und eine pharaonisch-antike Erbschaft, von Buchkunst ganz abgesehen.
Auf dieser Basis und unter Nutzung der vorhandenen Ressourcen kam es zu einem Prozess der Aufnahme des Vorhandenen im Dienste der neuen religiösen und politischen Bedürfnisse. Man konstatiert eine quasi krypto-islamische Ikonizität, die sich noch nicht eindeutig von der vorangegangenen zu unterscheiden schien. Dazu kommt die Tatsache, dass dieselben Handwerker gleichzeitig sowohl für die Kopten als auch für die neuen Herren arbeiteten und Objekte herstellten, die einander sehr ähneln.
Eine Sichtung der Kunstproduktion und der Architektur im Kontext der neuen Forschungen offenbart, wie schwierig es ist, bei der formalen Analyse klar und deutlich zu unterscheiden, was koptisch und was islamisch ist. Erst die Funktion und Nutzung von Bauten (Ibn-Tulun-Moschee) und ihre Einrichtung ermöglicht eine klare Unterscheidung, wobei sich auch fremde Einflüsse auswirkten.
Schlussendlich kam es zu einer Assimilation und damit zur Herauskristallisierung eines fatimidischen Stils, dem sowohl die Kunst der Kopten als auch die der immer größer werdenden Zahl der Muslime folgte.
Christoph Konrad (Bonn):
Resafa-RuÒāfat Hišām. Die beiden Hauptgebäude der Residenz des Kalifen Hišām ibn ÝAbd al-Malik. Ergebnisse der Grabungen und Feldforschungen 2007/2008
Als der umaiyadische Kalif Hišām ibn ÝAbd al-Malik aus Furcht vor den im Euphrattal wütenden Seuchen seine Güter in ar-Raqqa verließ, zog er in die Steppe und gründete vor den Toren der spätantiken Pilgerstadt 'Resafa'-Sergiupolis eine Residenz, die in den arabischen Quellen unter dem Namen RuÒāfat Hišām Erwähnung findet.
Das frühislamische RuÒāfa entwickelte sich, wie bereits in begrenztem Umfang die spätantike Siedlung, auch extra muros und wuchs auf einer Breite von über 1,5 km in das südliche und östliche Umland der Stadt. Hier sind die Hauptgebäude der Residenz des Kalifen Hišām zu suchen, zwei Gebäude, die in den Quellen als qaÒrain bezeichnet werden.
Katharina Otto-Dorn hat die qaÒrain des Hišām in zwei Fundpunkten identifiziert, die seit einem im Jahr 1977 durchgeführten Oberflächensurvey mit den Nummern [FP 106] und [FP 220] bezeichnet werden. Während der nördliche qaÒr [FP 106] von Katharina Otto-Dorn archäologisch untersucht worden ist, steht der südliche [FP 220] im Mittelpunkt neuer archäologischer Untersuchungen.
In zwei Grabungskampagnen konnte der Grundriß des qaÒr [FP 220] in seinen Grundzügen festgestellt werden. Dabei wurden über 530 Fragmente plastischen Baudekors aus Stuck geborgen, die zum Teil mit Modeln hergestellt worden sind. Diese Stuckdekore machen einen unmittelbaren Zusammenhang der ausstattenden Werkstätten des südlichen qaÒr [FP 220] mit dem nördlichen qaÒr [FP 106] äußerst wahrscheinlich und bestätigen damit die bereits vermutete Gleichzeitigkeit der beiden Bauten und ihre Identifikation mit den qaÒrain des Hišām.
Besonderes Augenmerk gilt in den weiteren Arbeiten der sehr unterschiedlichen topographischen Einbindung der qaÒrain des Hišām. Der nördliche qaÒr [FP 106] liegt vor der spätantiken Stadtmauer in ebenem Gelände unweit des Pilgerzentrums. Dabei öffnet er sich mit seinem Haupttor nicht der Stadt, sondern ist auf die von Süden (d.h. von Palmyra resp. Damaskus) kommende Straße bezogen. Der südliche qaÒr [FP 220] liegt bereits 1,2 km vom Pilgerzentrum entfernt. Über dem Tal gelegen, umgeben von offenen Wasserspeichern und Gärten, besitzt er topographische Merkmale, die für viele spätere Palastbauten, vor allem der östlichen Provinzen, charakteristisch sind.
Anja Heidenreich und Philipp Schramm (Bamberg):
Sondagen in der Großen Moschee von Golpayegan 2007
Die Freitagsmoschee von Golpayegan (Westiran) gehört zu den Moscheebauten, die durch einen seldschukenzeitlichen Kuppelraum geprägt sind (inschriftl. datiert 508/1114-15). Der Kuppelraum von Golpayegan zeichnet sich nicht nur durch einen reichen Dekor und eine Fülle von Inschriften aus, sonder stellt auch eines der frühesten Beispiele für die Verwendung von Muqarnas und Quadratkufi dar.
Mit der Bauaufnahme und den Sondagen sollen grundlegende Fragen zur Baugeschichte der Moschee geklärt werden. Im Zentrum steht die Frage nach evtl. Vorgängerbauten, doch ist auch die Bau- und Nutzungsgeschichte nach dem 12. Jh. von Interesse. Die Kampagne 2007 brachte in dieser Hinsicht teilweise Aufschluss, obwohl das Fundmaterial noch zahlreiche Fragen offen lässt.
Miriam Kühn (Berlin):
Mamlukische Minbare: Schnittstellen politischer und religiöser Kommunikation
Der Minbar – häufig umschrieben mit „Kanzel“ – ist Ort der Predigt und damit festes Ausstattungsstück einer für das Freitagsgebet genutzten Moschee. Bislang wurde die Nutzung und Funktion dieses religiösen Mobiliars nur ausführlich für die Frühzeit des Islam untersucht oder Einzelstudien sehr unterschiedlicher, späterer Beispiele vorgelegt.
Das Dissertationsvorhaben „Mamlukische Minbare: Schnittstellen politischer und religiöser Kommunikation“ erschließt und klassifiziert erstmals zeitlich und regional umfassend das Corpus mamlukischer Minbare. Dieses bietet sich an, da aus mamlukischer Herrschaftszeit (ca. 1250 bis 1517) nicht nur zahlreiche Minbare, sondern auch vielfältige Schriftquellen überliefert sind. Sowohl diese zeitgenössischen Schriftzeugnisse als auch die Objekte selbst werden unter verschiedenen historischen, kunsthistorischen und kulturwissenschaftlichen Fragestellungen betrachtet. Dadurch wird es möglich, mamlukische Minbare als gestiftete, geschaffene, genutzte und mit einer bestimmten Bedeutung versehene Objekte in ihrem konkreten gesellschaftlichen, religiösen und intellektuellen Umfeld zu verstehen.
Im Vortrag soll dieses Konzept näher ausgeführt und erste Ergebnisse der seit 2006 in Kairo durchgeführten Feldforschungen zur Diskussion gestellt werden.
Désiree Heiden und Susan Kamel (Sanaa/Berlin):
Kuratorische Konzepte im Kontext moderner Museumsforschung: Das Marib Museum Projekt, Jemen
Unter der organisatorischen Leitung des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Sana´a, wird seit Anfang 2007 in Marib (Jemen) die Neugründung eines Museums geplant. Das Museumsprojekt, in dessen Mittelpunkt schwerpunktmäßig die Region Marib mit all ihren thematischen Facetten steht und demnach als Regional- oder Community-Museum angesprochen werden darf, versucht nicht nur neueste Museumsstandards zu vereinen, sondern auch exemplarisch eine für den Jemen moderne Herangehensweise der spezifischen Museumsabteilungen zu etablieren.
Der Vortrag wird einführend das museologische Gesamtkonzept vorstellen. Susan Kamel erarbeitete hierfür ein besucherorientiertes Museumskonzept im Vergleich mit zahlreichen anderen bestehenden Museen der arabischen und westlichen Welt. Wesentlicher Bestandteil ist die im Vorfeld vor Ort im Jemen durchgeführte Besucherforschung (front-end-evaluation), die darüber hinaus auch als wichtige Grundlage für die Abstimmung der thematischen Abteilungen fungiert.
Im zweiten Teil wird Désirée Heiden das kuratorische Konzept für die geplante Abteilung für Kunst und Geschichte der Islamischen Zeit näher beleuchten. Ausgehend von den thematischen Schwerpunkten, die sich aus der Region Marib ergeben, gehört es zum Ziel der Konzeption, dem Besucher eine Einführung in eine regionübergreifende Kunstgeschichte des Jemen zu vermitteln.
Magdalena Valor Piechotta (Sevilla):
Sevilla, die Hauptstadt der Almohaden in al-Andalus
Die islamische Stadt Sevilla ist aus dem Blickwinkel von vier verschiedenen Disziplinen untersucht worden: Geschichte, architektonische und kunsthistorische Studien sowie Archäologie.
Man hat für Sevilla ausführliche Information über die Almohadenzeit. Von zentraler Bedeutung für die Stadtentwicklung durch die Jahrhunderte waren drei wichtige Neuerungsphasen, von denen wir derzeit Kentniss besitzen:
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Die erste mit den Almohaden.
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Die zweite für die iberoamerikanische Weltaustellung im Jahre 1929.
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Die dritte für die Weltaustellung im Jahre 1992.
So überlebte die "renovierte Stadt" des 12. Jhs. mit nachvollziehbaren Änderungen bis zum 20. Jh. Aus diesem Grund hat die mittelalterliche Stadtstruktur eine große Bedeutung für die Stadt Sevilla und auch für die späteren nasridischen Städte im Reich von Granada.
Die Stadt Sevilla war von 712 bis 1248 Teil von Dar al-Islam gewesen. Nach archäologischen Gesichtspunkten dürfen wir diese ca. 500 Jahre in zwei Abschnitte einteilen:
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In die Zeit vor den Almohaden, d. h. von 712 bis 1147.
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In die Zeit der Almohaden, d. h. von 1147 bis 1248.
Felix Arnold (Madrid):
Munyat ar-Rumaniya. Ein islamischer Landsitz außerhalb von Córdoba
Im Rahmen der Untersuchung islamischer Landsitze im Umfeld von Córdoba und ihrer römischen Wurzeln dokumentiert die Abteilung Madrid des Deutschen Archäologischen Instituts derzeit in Zusammenarbeit mit der Universidad Autónoma de Madrid und dem Conjunto Arqueológico de Madinat al-Zahra die baulichen Überreste von ar-Rumaniya. Bei diesem Baukomplex handelt es sich um den Landsitz von ad-DurrÐ, einem Schatzmeister des Kalifen al-Hakam II. (961-976), und um eine der größten Anlagen ihrer Art. Sie wurde bereits 1910 von Ricardo Velázquez Bosco teilweise freigelegt, ist bislang aber nur unzureichend wissenschaftlich untersucht. In dem Vortrag sollen die Ergebnisse der ersten beiden Kampagnen vorgestellt werden, in denen die Bauaufnahme der Anlage fertig gestellt werden konnte. Für das kommende Jahr sind punktuelle Grabungen geplant.
Auf einer Gesamtfläche von 4,5 ha umfasst die Anlage vier Terrassen, von denen drei als Garten gestaltet waren. Auf der vierten Terrasse lagen Wohn- und Wirtschaftsbauten sowie – als architektonischer Höhepunkt – ein 30 x 50 m großes und 4 m tiefes Wasserbecken. Das Becken war auf allen vier Seiten von einem Umgang umgeben, der auf Konsolen ruhte und ein „Spazieren auf dem Wasser“ erlaubte. Direkt über dem Ausfluss des Beckens in Richtung Garten lag ein großer Saal mit weiten Arkaden, die einen Ausblick einerseits auf das Wasserbecken, andererseits auf den Garten erlaubten. Der Wasserbedarf der Villa wurde auf unterschiedliche Weise gedeckt – durch ein Bachbett, dass nach starken Regen Wasser führt, eine Quellfassung, eine Sickergalerie, sowie eine Leitung, die Wasser aus den Bergen zum Villengelände brachte. Auf den Gartenterrassen sind Reste eines regelmäßig angelegten Netzwerkes von Bewässerungskanälen erhalten.
Klaus Graf (Köln):
Die islamische Keramik der Wüstung Cuncos, Extremadura, Spanien.
Dieser Vortrag beschäftigt sich mit den Keramikfunden aus der Wüstung Cuncos an der heutigen spanisch-portugiesischen Grenze. Interessant ist dabei, dass es sich um eine rein islamzeitliche Siedlungsstelle handelt, die weder christliche Vor- noch Nachnutzung aufweist und somit innerhalb der iberischen Ausgrabungsorte eine gewisse Sonderstellung einnimmt.
Bei der Keramik von Cuncos handelt es sich zum allergrößten Teil um einfache Gebrauchskeramik, der nur ein geringer Anteil sogenannter Luxuskeramik beigemengt ist, wie er normalerweise den Löwenanteil an hispano-islamischen Ausstellungstücken in den Museen ausmacht. Es soll versucht werden an Hand einer Analyse der Keramikfunde zu beantworten, in welchem Zeitraum Cuncos besiedelt war und ob sich Aussagen über die Gesellschaftsstruktur und das tägliche Leben seiner Bewohner machen lassen. Dabei sollen auch Probleme der spanischen Archäologie angesprochen werden.
Tobias Rütenik (Berlin):
Transformation von Moscheen zu Kirchen in Toledo
Das muslimische al-Andalus auf der Iberischen Halbinsel wurde zwischen dem 11. und dem Ende des 15. Jhs. schrittweise von den Christen zurückerobert. Im Überschneidungsraum der islamischen und christlichen Herrschaftsgebiete liegen Moscheen, die in der Folge der Reconquista in Kirchen umgewandelt worden sind. Im 1085 zurückeroberten Toledo ist im Wesentlichen bisher nur die Moschee am Bâb Mardûm bekannt. Seit längerem vermutet man weitere islamische Vorgängerbauten in verschiedenen Pfarrkirchen der Stadt.
Durch eine Untersuchung an elf Objekten mit Hilfe einer breiten Analyse von Bautechniken und Bauformen konnten sieben Moscheen identifiziert werden. In vier Fällen lässt sich ihre Gestalt hypothetisch rekonstruieren, obwohl nur geringe islamische Baureste erhalten sind. Die Rekonstruktion wird durch die genaue Kenntnis des Jahrhunderte andauernden Umwandlungsprozesses ermöglicht. Diese Kenntnis der Transformation bildet das Instrumentarium zur „Entdeckung“ weiterer spanisch-islamischer Sakralbauten.
Robert Schick (Jerusalem):
Along the west arcade of the Haram al-Sharif in Jerusalem is a 11th/17th century Ottoman inscription that curiously has been overlooked. The inscription has been in plain view, but somehow has escaped the attention of previous scholars, such as Max van Berchem in his Corpus (1927), Michael Burgoyne and Amal Abul-Hajj (1979), Yusuf Natsheh and the other authors of the Ottoman Jerusalem book (Auld and Hillenbrand 2000) and Mehmet Tütüncü (2003).
The text refers to the renovation of some bays in the western portico of the Haram al-Sharif at the end of Dhu al-Hijjah 1037 / 30 August 1628 by Bayram Pasha and Muhammad Pasha, the governors of Egypt and Jerusalem. The text at first glance may look difficult to decipher, but it is in fact easy to read. It parallels the four-line inscription on the nearby Sabil Sha'lan.
The inscription is located below bay 16 (using the numbering of Burgoyne 1987: 192-194), right where Michael Burgoyne noted the meeting of two separate sections of the portico – bays 11 to 16 to the north and bays 17 to 44 to the south – both of which he attributed to the 14th century. It is tempting to assign bays 11 to 16, along with the dismantling of at least one further matching bay to the south that he noted evidence for, to the renovations that the inscription records, although that conclusion does not obviously follow from his architectural description.
Gisela Helmecke (Berlin):
Eine Gruppe osmanischer Fliesen
Im Museum für Islamische Kunst wird zur Zeit ein Verlustkatalog erarbeitet, der die Verluste durch den 2.Weltkrieg und seine unmittelbaren Folgen behandelt.
Unter den bis heute vermißten Objekten befindet sich auch eine osmanische Fliese, deren Muster zu einer größeren Komposition gehört. Dieses Muster gibt es in verschiedenen Varianten, von einigen besitzt das Museum ebenfalls Beispiele. Parallelen lassen sich außerdem zur Textilkunst ziehen.
Iván Szántó:
Islamic Influences in Hungarian Art on the Eve of the Ottoman Conquest
According to the traditionalist view of Hungarian art history, the series of events that followed the Battle of Mohács (1526) has caused a fatal blow to all internal artistic development. Seen from this romantic point of view, the Italianate Renaissance achievements of the previous decades now came to a halt, continuity was broken and Hungary was forced to become a champion of western Christendom, impoverished, yet ready to defend Europe until the last drop of blood.
What this standpoint is prone to ignore is the uniquely complex position of the occupied country: opened to interchange with the Islamic world on the one hand, and fiercely opposing it on the other. Of course, between these extremes we find wide-ranging individual or group strategies for manoeuvre – choice between acceptance or refusal was made often on a sudden impulse, leading to curious borderline solutions. Even less has been said about the art historical antecedents of this reconfigured cultural landscape, yet attention should be drawn on them.
This paper is aimed at shedding some light on examples from various media which show that using Islamic art forms was not uncommon before the Ottoman conquest. The study prompts to recognize Islamic influences which manifested themselves in the various artistic strands of the immediate pre-Ottoman period. Since the material is fragmentary, the overview must be confined to selected examples. These include the art of the book, ceramics, and metalwork, all representing the last half-century before the Ottoman takeover.
The main questions which this investigation raises are addressed at the quantitative and temporal extent of the orientalist manner. Why did the Islamizing strain made its appearance principally on imported Renaissance forms? How and to what amount did it coexist with the Italian modes? And finally, did it have elements that could survive and integrate into a ‘genuine’ Islamic art which took root in Hungary in the wake of the Ottoman conquest?
Dorothée Kreuzer (Bonn):
Die Macht der Schrift 1400-1600 in Zentralasien
Die Auffassung von Büchern als Speichermedien und Literatur als Mittel privater Erbauung lässt die Buchproduktion für die türkisch-mongolischen Herrscher lediglich als Produktion von Accessoires raffinierter höfischer Lebensart erscheinen. Aus der Perspektive einer Mikropolitik der Macht hingegen fungiert die Produktion kostbarer Bücher als Dispositif der Legitimation von Herrschaft. Statt lediglich die Luxusbedürfnisse bibliophiler Mäzene als Kontext für ihre Illustration anzunehmen, lassen sich die kostbaren Bücher als Schauplätze der Unterwerfung unter die persophone Kultur der „Beherrschten“ lesen. Die Bücher sind dafür kein Symptom unter anderen, sondern das Mittel der Wahl, als Relais und Unterpfand der kulturellen Assimilation das spezifisch symbiotische Geflecht von Macht als Basis der zeitgenössischen Herrschaft zu installieren.
Marcus Schadl (München):
Tradition und Transformation des Kabuler Hofhauses
Der Prozess der Verwestlichung fand in Afghanistan, dem Pufferstaat zwischen Britisch-Indien und Russisch-Zentralasien, bemerkenswert spät und transparent statt. Der Wandel in der Architektur des Innenhofhauses kann beispielhaft verdeutlichen, wie dieser Prozess erst das höfische Bauen und dann die Wohnhausarchitektur in der Altstadt erfasste. Die tradierte Hausform wurde von der Elite nicht umgehend zugunsten von Bungalow-Villen in den entstehenden Neustadtvierteln aufgegeben, sondern versuchte eine Zeit lang, auf die Vorgaben der neuen Architekturmode innerhalb der alten Form zu reagieren. Das Hofhaus erfuhr dabei eine bemerkenswerte Hybridisierung, ehe das Potential zur Anpassung erschöpft war. Die Untersuchung dieser Transformation zeigt, dass der traditionelle Haustyp am Ende nicht dem Modernisierungsdruck unterlag, sondern im Grunde der Rezeption oberflächlicher Gestaltmerkmale von europäisierenden Architekturen.
Dr. Markus Ritter (Zürich):
Gestreifte Gold-Seide-Stoffe mit Inschriften im 13.-14. Jhdt.: Apropos neuer Forschungen zum Wiener Grabgewand mit dem Namen des Ilkhans Abu Said
Zuletzt geändert: Mittwoch, 25. Januar 2012 |