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2. Kolloquium der EHG in Bonn

Hier finden Sie das Vortragsprogramm zum Kolloquium Bonn 2006.



Freitag, 7.7.2006

13.30 Offizielle Begrüßung

14.00 C. Ewert, Die pflanzlichen Dekorelemente der Elfenbeinskulpturen des Kalifates von Córdoba im Vergleich mit dem westislamischen plastischen Bauschmuck des 10. -12. Jhs.

14.30 F. Arnold, Islamische Villen in Córdoba

15.00 K. Pieper, Mudejare mittelalterliche Stuckfenster in Aragón

16.00 M. Gussone/ F. Valdés, Transformation von Sakralbauten in Spanien 1

16.30 A. Hanisch/ A. Probst/ T. Rütenik,Transformation von Sakralbauten in Spanien 2

17.00 C. Kothe: Gedanken zu Claudio Langes 'Der nackte Feind-Anti-Islam in der Romanischen Kunst´

17.30 K. Kreiser: Denkmäler am Suez-Kanal: von Ferdinand de Lesseps bis Fuad I.


Samstag, 8.7.2006

9.00 C. Konrad, Die samarrazeitliche Kapitellplastik aus ar-Raqqa/ar-Rāfiqa

9.30 J. Gonnella, Aleppo, Neue Ergebnisse

10.00 J. Meyer/ M. Würz, Kharab Sayyar

11.00 J. Sokoly, A textile fragment with an inscription in the name of the Amir Bukhtagin

11.30 M. Ritter, Säulen in der Raumgliederung mamlukischer Moscheen in Kairo

12.00 S. Gottlöber, Architektonische Besonderheiten der Murad Hüdavendigar Cami in Bursa

14.00 M.Schadl, Das Ziyarat des Nasir Khusraw in Jurm/Badakhshan

14.30 U. Franke-Vogt, Regionalsurvey Herat

15.15 D. Redlinger, Dekor- und Inschriftensysteme im frühen Delhi-Sultanat: Sinnbilder eines neuen Herrschaftskonzeptes

15.45 L. Korn, Ein kleiner Kuppelraum des 12. Jhs. in Khurasan

16.30 A. Hagedorn, Die Ästhetik der islamischen Kunst und ihr Einfluß auf die angewandte Kunst Europas im 19. Jahrhundert

17.00 D. Kreuzer, Das Mausoleum im Garten der Kunst oder Khatt als „symbolische Form" der islamischen Kunst

ZUSAMMENFASSUNGEN / ABSTRACTS

Christian EWERT (Madrid/Bonn):

Die pflanzlichen Dekorelemente der Elfenbeinskulpturen des Kalifates von Córdoba im Vergleich mit dem westislamischen plastischen Bauschmuck des 10.-12. Jahrhunderts

Nachdem ich die pflanzlichen Dekorelemente der Elfenbeinskulpturen des Kalifates von Córdoba eingehend in einer Monographie analysiert habe, die zum Druck vorliegt, vergleiche ich in diesem neuen, ergänzenden Beitrag die Dekorelemente der Elfenbeine mit dem plastischen Bauschmuck des äußeren islamischen Westens im Zeitraum der 2. Hälfte des 10. bis zur 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Diese Analyse lässt zwei Schlüsse zu. In der neu gegründeten Kalifenresidenz Madīnat az-Zahrāʾ arbeiten Elfenbeinschnitzer und Baudekorateure Seite an Seite, stehen also vermutlich in engem Kontakt; identische Dekordetails zeigen sich in beiden Schmuckarten. Die strukturell am reichsten und am stärksten verfeinerten Dekorelemente scheinen aber fast ausschließliches Monopol der Elfenbeinschnitzer zu sein. Sie vermitteln uns nicht nur das handwerkliche Geschick, sondern auch die Erfindungsgabe dieser Künstler. Die Elfenbeinskulpturen sind einer der greifbarsten Beweise der kurzen, nur knapp ein halbes Jahrhundert überschreitenden Glanzzeit des Kalifates von Córdoba.

Fernando VALDÉS - Martin GUSSONE (Badajoz/Berlin):

Transformation von Sakralbauten in Spanien 1 – Beispiel Badajoz

Die mehrere Jahrhunderte währende islamische Herrschaft in al-Andalus bedingte die Existenz mehr oder minder aufwendiger islamischer Gebetsräume in allen wichtigen Städten. Der Herrschaftsverlust der Muslime im Zuge der katholischen Reconquista in Spanien, führte auch zur Übernahme der islamischen Einrichtungen durch christliche Institutionen, wobei die vorhandenen baulichen Strukturen zuerst weitergenutzt und im Laufe der Zeit ersetzt wurden. In den meisten spanischen Städten sind die früheren Moscheen verschwunden oder bis zur Unkenntlichkeit überbaut – das einzige was von ihnen zeugt sind historische Quellen, gelegentlich erhaltene Minarette und archäologische Befunde sowie „Fehlstellen“ in der Baugeschichte der Kirchen, die auf den Grundmauern der im Laufe der Zeit abgetragenen Moscheen errichtet worden. Dieser Prozess ist vage bekannt, genaue Bauntersuchungen blieben allerdings die Ausnahme. Die Untersuchung von San Agustin in Badajoz, der Hauptstadt der Extremadura, diente als Pilotprojekt, um der Frage der Transformation von Sakralbauten in Spanien mit Methoden der Bauforschung nachzugehen. Die ehemaligen Klosterkirche San Agustin wurde aus städtebaulichen Erwägungen und auf Grundlage einer langjährigen Beschäftigung mit der arabischen Geschichte von Badajoz für eine detaillierte Untersuchung ausgewählt. Dabei wurde die verwickelten Bau- und Umbaugeschichte geklärt, die die Existenz eines verschwundenen großen Baukörpers belegt, der in dem Bau der Klosterkirche aufgegangen ist. Die Bautechnik des Turmes weist eindeutig auf eine Entstehung in islamischer Zeit hin.

N. GRÜNDL - A. HANUSCH - A. PROBST - B. SCHÄFER (Berlin):

Transformation von Sakralbauten in Spanien 2 – Beispiel Toledo Bauforschung an der Kirche San Miguel el Alto in Toledo/Spanien

Im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes der TU Berlin und der Universidad Autónoma Madrid wurde im Herbst 2005 die Kirche San Miguel el Alto in Toledo hinsichtlich ihrer möglichen Transformation von einer Moschee in ein christliches Gotteshaus untersucht. Am östlichen Rand des historischen Stadtkernes, in der Nähe des Alcázars gelegen, nimmt die Kirche einen exponierten Platz in der Stadtsilhouette ein. In der Nordwand des Mittelschiffes der nach Osten ausgerichteten Pseudobasilika liegt ein zugemauerter Hufeisenbogen mit Resten eines Alfiz. Er diente schon immer als Grundlage für Spekulationen über die frühere mögliche Existenz einer Moschee an dieser Stelle. Nach der Durchführung einer intensiven bauforscherischen Untersuchung vor Ort in Toledo konnte ein relativer Bauphasenplan für den Gebäudekomplex erstellt werden.

T. RÜTENIK (Berlin):

Die Transformation von Sakralbauten in Toledo/Spanien

Ein weiteres Projekt ist, die gesamtstädtische Untersuchung von Sakralbauten in Toledo mit den Methoden der historischen Bauforschung, um die Kirchen, die aus ehemaligen Moscheen entstanden sind, zu identifizieren und die einzelnen Bauzustände genau zu beschreiben. Dabei sollen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Lösungsansätzen zum Problem der Transformation von Sakralbauten nutzbar gemacht werden. Als Beispiel wird ein Mauerwerkskatalog mit Befunden von datierten Referenzbauten vorgestellt, der bautechnische Fortentwicklungen aufzeigen soll. Mit Hilfe dieses Katalogs können die einzelnen Bauphasen der verschiedenen Gebäude in einen zeitlichen Zusammenhang gesetzt werden. Das Projekt findet im Rahmen einer Kooperation zwischen der TU-Berlin und der Diputación Provincial von Toledo statt.

K. PIEPER (Zaragoza):

Mudejare mittelalterliche Stuckfenster in Aragón

Die aragonesische Mudejarkunst stellt sowohl gegenüber der zeitgenössischen spanisch-islamischen Kunst als auch gegenüber der kastilischen Mudejarkunst eine Sonderentwicklung dar. Ihr lokaler Charakter manifestiert sich in einem Rückbezug auf die taifale Aljafería des 11. Jahrhunderts. Mudejarer Stuckdekor wird im christlichen Aragón nur sehr begrenzt verwendet: Während er in anderen Regionen Spaniens die Wände flächendeckend überzieht, konzentriert sich der Stuckdekor in Aragón in den Fenstern. Die erhaltenen Stuckfenster, die aus dem 14. und frühen 15. Jahrhundert stammen, integrieren grundlegende Elemente des mudejaren aragonesischen Bauschmucks in besonderer Vielfalt und Qualität: Systeme sich kreuzender Bögen, Flechtbänder, Maßwerkformen, Kapitelle und vegetabile Ornamente. Der Vortrag basiert auf meiner Dissertation Der mudejare Bauschmuck im mittelalterlichen Aragón am Beispiel der Stuckfenster. Eine Untersuchung der spanisch-islamischen und christlichen Elemente in Komposition und Einzelformen (Universität Bonn, 2005). In dem Vortrag möchte ich einige Ergebnisse der formalen Analyse des Stuckdekors vorstellen. Nach einer einleitenden allgemeinen Charakterisierung der Stuckfenster werden anhand ausgewählter, interessanter Beispiele einzelne Charakteristika der Kompositionsschemata, der Bogensysteme, der Kapitelle, der Arabesken und Flechtbandschemata exemplarisch vorgestellt. Dabei sollen hier die formalen Eigenschaften der mudejaren Stuckfenster in Abgrenzung zum taifalen Stuckdekor der Aljafería im Vordergrund stehen.


Zuletzt geändert: Mittwoch, 25. Januar 2012
 
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