Doris BEHRENS-ABOUSEIF, London:
The Mosque of Sultan Hasan: A psychological question ?
My paper will focus on the extraordinary features of the mosque of Sultan Hasan and its waqf and discuss the circumstances of its foundation. I will also try to interpret, whether political or personal reasons motivated the singularity of this monument.
Barbara FINSTER, Bamberg:
Zum Rahmenthema des Kolloquiums
Bert FRAGNER, Wien:
Die Untertanen und ihre Herrscher: Symbole und Metaphern der Repräsentation im islamischen Persien
Emmanuel GEORGOUDAKIS, Athen:
Astronomie und Astrologie in der Herrscherikonographie islamischer Kunst
So wie der himmlischen Ordnung eine irdische entspricht, ist der König der Schatten Gottes auf Erden. Die neuplatonische Lehre vom Mikrokosmos und Makrokosmos ist der Kern dieser Herrscherideologie. In derselben Weise, wie Gott von den Planeten und den Sternen umgeben ist, wodurch sich seine Herrschaft über den ganzen Himmel manifestiert, wird die Verbindung des Herrschers mit Gott durch die Anwendung von kosmischen Symbole dargestellt. Durch kosmische Symbole kann göttliche Macht metaphorisch dargestellt werden. Im islamischen Kulturraum ist diese Aneignung der göttlichen Eigenschaften wegen des Bilderverbots im sakralen Kontext problematisch. Doch kann die Plazierung einer herrscherlichen Persönlichkeit in einem astrologisch-kosmischen Kontext durch andere Mittel erreicht werden. Auch der Kalif bzw. Sultan muss seine transzendente Überlegenheit darstellen.
Martin GUSSONE, Berlin:
Die Moschee im Wünsdorfer Halbmondlager – die symbolische Inbesitznahme einer architektonischen Ikone
Die Moschee im Wünsdorfer „Halbmondlager wurde 1915 im ersten Weltkrieg als Prestige-Objekt errichtet, um von deutscher Seite die völkerrechtlich vorbildliche Behandlung der Kriegsgefangen islamischen Glaubens zu demonstrieren. Damit entstand der erste islamische Kultbau auf deutschem Boden, der zu religiösen Zwecken errichtet und genutzt wurde und mit einem ästhetischen Anspruch versehen war. Gleichzeitig war die Moschee Bestandteil einer Dschihad-Konzeption, die zum Ziel hatte die islamischen Kriegsteilnehmer auf der Seite der westlichen Entente zu bewegen, zur preußisch-osmanischen Koalition überzulaufen. Dieser Ansatz war militärisch nicht erfolgreich, doch die Moschee wurde angenommen und bestand bis zum Ende der 1920er Jahre.
Maßgebliches Vorbild für die Moschee in Wünsdorf war der Felsendom in Jerusalem, beschränkte sich allerdings nicht darauf. Der Vortrag widmet sich neben den technisch-konstruktiven Aspekten der Moschee der komplexen Ikonografie und dem damit verbundenen politischen Repräsentationsanspruch. Die Moschee im Wünsdorfer Halbmondlager spiegelt über den primären Propaganda-Zweck hinaus – der „symbolischen Inbesitznahme“ einer architektonischen Ikone, das ambivalente Verhältnis der ausgehenden Kaiserzeit zum „Orient“ wider. Dieses verweist über die Verhaftung im romantischen Orientalismus des 19.ten Jahrhunderts hinaus bereits auf trans-orientalistische Tendenzen und Nachfolgebauten.
KADOI Yuka, Edinburgh:
On the Timurid flag
In considering the relationship between textiles and rulership in the medieval Islamic world, the flag invites an in-depth discussion as to its political and symbolic connotations. While the idea of state flags and military banners itself is universal, the flag design of some Islamic dynasties intriguingly reflects indigenous cultural traditions.
This paper brings the flag of the Timurid empire into focus. By pinpointing its stylistic variety and emblematic significance through surviving literary and pictorial sources, it is intended to review the essence of medieval Islamic flags, as well as to offer an alternative avenue to the study of the art of the looms in 14th- and 15th-century Islamic lands.
Barbara KARL, Pisa:
Kunst für den globalen Markt: das Perlmutt-Schild aus Gujarat im Museo Nazionale del Bargello in Florenz
Perlmutt-Objekte aus Gujarat gehörten zu den erfolgreichen Exportgütern der westindischen Provinz Gujarat. Von Beginn an wurden sie für einen internationalen Markt produziert. Speziell im 16. und 17. Jh. gelangten viele dieser Objekte über Händler um das Kap der Guten Hoffnung nach Lissabon und von dort in andere Teile Europas. Der Beitrag kreist um das Perlmutt-Schild und verfolgt seinen Werdegang von der Produktion zu seinen unterschiedlichen Verwendungszwecken in der islamischen Welt selbst und im europäischen Kontext, konkret am Hof der Medici in Florenz. Anhand von Vergleichen werden Stil und Ikonographie behandelt.
Ebba KOCH, Wien:
Salomo, Majnun und Orpheus als Symbole für den idealen islamischen Herrscher in Moghulindien
Das Reich der Großmoghuln in Indien wird gerne als Hinterland der islamischen Welt gesehen; dies gilt auch für die Kunst und Architektur. Robert Hillenbrand etwa bespricht in seinem 1994 erschienenen Islamic Architecture nicht einmal den Taj Mahal.
Oft finden sich jedoch gerade in Moghulindien paradigmatische Formulierungen; dies gilt auch für Kunst als Mittel der Herrscherrepräsentation. Vor allem im Mäzenatentum von Jahangir (1605-27) und Shah Jahan (1628-1658) werden die visuellen Künste nachhaltig und systematisch für die Herrschaftsdarstellung verwendet, wobei Lösungen von universaler Gültigkeit angestrebt werden. Diese Kunst speiste sich aus heterogenen Quellen, und, so universalisiert, war in der Lage, ein weites Publikum anzusprechen, auch über den Moghulkontext hinaus. Auffallend intensiv ist die Auseinandersetzung mit europäischer Kunst zur systematischen Gewinnung von illusionistischen und naturalistischen Techniken, sowie von Symbolismus und allegorischen Ausdrucksmöglichkeiten
Ich habe in einer früheren Arbeit, nämlich Shah Jahan and Orpheus (1988) zu zeigen versucht, daß eine florentinische pietra dura Tafel von Orpheus, der zu den Tieren spricht, als programmatisches Symbol der guten und gerechten Herrschaft Shah Jahan's in dessen Thron in Delhi (1648) appropriiert wurde. Neue Funde auf dem Gebiet der unter Jahangir in Alben integrierten Malerei und Graphik bestätigen diese Deutung , und machen es möglich, zu verfolgen, wie mittels komplexer, einander durchdringender Bezugskonstruktionen Orpheus über die Brückenfigur Majnun zu einer salomonischen, und somit zu einer Symbolfigur der Moghulherrscher wird.
Christoph KONRAD: siehe Sack / Konrad
Lorenz KORN, Bamberg:
Ibn Khaldun zu Architektur und Herrschaft
Der Geschichtsschreiber Ibn Khaldun (1332-1406) ist als Vordenker einer soziologisch verankerten Herrschaftstheorie weit über die Orientalistik hinaus bekannt geworden. In der „Einleitung“ zu seinem Geschichtswerk äußert er sich auch zu Eigenschaften der Architektur. Eine Gegenüberstellung von Passagen aus Ibn Khalduns „Muqaddima“ und erhaltenen Bauten bzw. Städten der islamischen Welt in seiner Zeit wirft Fragen auf, an welchen Kriterien sich Ibn Khalduns Vorstellungen entwickelten. Daran schließen sich Überlegungen an, inwiefern seine Aussagen zu einer Interpretation islamischer Architektur des 14.-15. Jahrhunderts beitragen können.
Christiane KOTHE, Bonn:
Bilder der Herrschaft: zur Wirkungsgeschichte der umayyadischen Kalifate
Die Verankerung der Ostumayyaden im (land)wirtschaftlich und handelsstrategisch bedeutsamen syro-palästinensischen Raum, an den auch der relevante ägyptische Raum angeschlossen war, begünstigte die Kontinuität mediterran-spätantiker Kultur, die jedoch unter den neuen Anforderungen der Herrschaftsrepräsentation neu gedeutet werden konnte. Die Verankerung in der syro-palästinensisch spätantiken Kultur könnte im Rahmen der Machtübernahme auf der Iberischen Halbinsel und in der südlichen Septimania ein wichtiges Kohäsionselement gewesen sein, das nach 750 auch die Machtübernahme Abd al-Rahman I im Andalus begünstigte und einer langfristigen Kontrolle unterschiedlicher Intensität durch die westlichen Banu Umayya zuträglich war.
Obwohl der Denkmälerbestand begrenzt ist, lassen sich durch Kombination unterschiedlicher Bildquellen Aussagen zur Herrschaftsikonographie und ihrer Vermittlungswege gewinnen. So scheinen trotz der prekären Legitimationslage der östlichen Banu Umayya einzelne Zeichen auch im abbasidischen Osten und auf jeden Fall in der mediterranen DÁr al-IslÁm mit Schwerpunkt al-Andalus weiterexistiert zu haben. Da die westlichen Banu Umayya im 10. Jahrhundert zur Hegemonialmacht des westlichen Mittelmeerraumes wurden, kann die Übernahme von Themen und ihren ikonographischen Inhalten durch abhängige bzw. durch Nachfolgemächte auf der Iberischen Halbinsel Hinweise zur Rekonstruktion nicht oder nur unzulänglich erhaltener Objekte, Träger der Transmission, geben.
Dies wird anhand eines Phiolenmotivs, bestimmter Rankenbaumpaneele und Sitzhaltungen von Herrschern diskutiert.
Mirela LJEVAKOVIĆ, München:
‚Keramikhausmodelle’ seldschukischer Zeit
Die in der Forschung fast unbearbeiteten, so genannten Keramikhausmodelle aus Iran wurden zur Zeit der Seldschuken, im 12. und 13 Jahrhundert hergestellt. Einzelne Objekte wurden zwar immer wieder in verschiedenen Publikationen erwähnt, waren aber insgesamt nicht gründlich erforscht. Die Objekte sind relativ klein und in den meisten Fällen mit Türkisglasur überzogen und die meisten erinnern mit ihrer Form sofort an kleine Häuser. Einige von Ihnen beinhalten sogar auch kleine Figuren im Inneren des Hauses.Die große Menge erhaltener Objekte und ihre unterschiedliche formale und stilistische Dekoration erschweren die Zuordnung ihrer Funktion. Nur ganz selten finden sich arabische und pseudo- arabische Inschriften auf diesen Objekten, jedoch teilen diese keine Informationen über die Zeit, die Hersteller und den rätselhaften Charakter ihres Gebrauchs mit. Die von der Forschung vorgeschlagenen Nutzungen der Objekte sind: Ziergeräte, Grabbeigaben, Spielzeug, Rauchgefäße oder Geschenke für bestimmte Anlässe (Hochzeits- oder Neujahrsfest). Die wichtigsten Beispiele dieser Gruppe werden vorgestellt, ihre Problematik und Deutung diskutiert.
Martina MÜLLER-WIENER, Bonn:
Herrscherliche Selbstdarstellung und mimetische Repräsentationstechnik: die Wasseruhr des Nur ad-Din an der Großen Moschee von Damaskus
Die grundlegende Umstrukturierung des politischen Machtgefüges im ägyptischen und syro-mesopotamischen Raum zu Beginn des 12. Jahrhunderts machte eine Neuausrichtung von Formen der Herrschaftslegitimierung und Mechanismen der Machtausübung erforderlich, ebenso wie die Neuformulierung politischer und theologischer Ideologien und eines visuellen Codes, dessen Zeichensystem entsprechende Nachrichten transportieren konnte. Der vorliegende Beitrag setzt sich mit Aspekten des dynamischen Verhältnisses zwischen politisch-ideologischen Entwicklungen und deren Reflektion in der künstlerischen Produktion auseinander. Zentraler Gegenstand der Untersuchung ist die monumentale Wasseruhr mit Figurentheater, die Nur ad-Din am Ostportal der Großen Moschee von Damaskus anbringen ließ. Eine Autopsie von Entstehungszeit und Wahl des Anbringungsortes zeigt, dass die Uhr im Kontext der Baupolitik des Nur ad-Din zu sehen und als ebenso selbstbewusste wie subtile Geste herrscherlicher Selbstdarstellung zu deuten ist. Sie dokumentiert den Anspruch, mit seinen führenden politischen Gegenspielern auf der gleichen Ebene zu stehen und kommentiert zugleich durch ein vielschichtiges Zusammenspiel von Andeutungen die Gegenwart im Spiegel der Vergangenheit.
Antonio PEÑA, Köln:
Spolien im Dienste der Macht
Die Grosse Moschee von Córdoba ist eines der offenkundigen Beispiele der Darstellung von Herrschaft in al-Andalus – nicht nur aus dem Gesichtspunkt der Architektur, sondern auch wegen der systematischen Spoliennutzung. Die ältesten Bauphasen des 8. und 9. Jahrhunderts wurden auschließlich mit wiederverwendetem Material errichtet, unter dem sich Basen, Schäfte, Kapitelle und Kämpfer römischer und spätantiker Zeit finden. Nur die Schäfte wurden nach ihrer Farbe im gesamten Bau regelmässig verteilt, während das Material insgesamt an bestimmten Stellen – am Zugang vom Hof, im Mittelschiff, in einem Teil der Qibla und im Mihrab – eine einheitliche Verteilung besaß. Es ist sehr wahrscheinlich, dass mit dieser Gestaltung der Prozessionsweg betont wurde, der den Emir von seinem Eintritt ins Gebäude bis zum Vormihrabjoch führte, jener Stelle an der er sein Gebet sprach. Dieser Weg wurde bis zum Ende des 9. Jhs. genutzt, als der Sabat gebaut wurde, der die Dar al-Imara direkt mit der Maqsura der Grossen Moschee in Verbindung stellte. Wenn diese Hypothese richtig ist, sollen die Spolien als ein Doppelzeugniss von Herrschaft verstanden werden: zum einen weil die Spoliennutzung seit der Zeit Konstantins den Königen oblag; zum anderen weil die Spolien die privilegierte Stellung des Herrschers innerhalb des Gebäudes augenfällig machten.
Nasser RABBAT, Cambridge/MA:
The Bicephalic Eagle: A Symbol of the Sultan?
The double-headed eagle is one of the least understood and most contested motifs in the history of the East-West artistic divide. In this presentation, I will deal with the issue of origin of this motif through an investigation of its relationship to the title sultan, which appeared in Anatolia and Syria almost at the same time as the emergence of the motif itself in those two regions. In a burst of avian portrayal that lasted from the early twelfth to the early fourteenth century, scores of single- and double-headed eagles showed up on coins, on walls and gates, in books, and on the tiraz textile of many post-Seljuqid dynasties that ruled eastern Anatolia, Syria, and Jazira. Many founders of these same dynasties adopted the title sultan during that same time frame to the consternation of contemporary commentators who apparently had some rules for the adoption of this most prestigious of imperial titles.
I will survey the instances of bicephalic eagles in medieval Islamic coinage and architecture before proposing a meaning and dates for the appearance, spread, and disappearance of the motif in the medieval Islamic world. My explanation will rest partly on the definition of the term sultan according to at least one Mamluk source, a definition that renders the bicephalic eagle a most appropriate symbol for this badly understood Islamic medieval imperial title.
Daniel REDLINGER, Bonn:
Kontinuität und Herrschaft? Überlegungen zur modernen Architektur in Dubai und Abu Dhabi
Auf den ersten Blick scheint ein Großteil der heutigen säkularen Architektur in den Vereinigten Arabischen Emiraten dem Vorbild westlicher Architekturkonzepte zu folgen. Lediglich an für den Tourismus relevanten Bauten lässt sich beobachten, dass sie dem äußeren Erscheinungsbild traditioneller Bauten der VAE nachempfunden wurden. Im Gegensatz hierzu lässt sich an vielen der heutigen religiösen Repräsentationsbauten feststellen, dass ihnen mittelalterliche Idealtypen aus der andalusischen, fatimidischen, mamlukischen, osmanischen oder mogul-indischen Architektur als Vorbilder dienten. Am Beispiel der Shaykh Sayed Moschee in Abu Dhabi und der Jumairah Moschee in Dubai soll untersucht werden, wie die religiöse Architektur als identitätsstiftendes Medium durch das Herrscherhaus instrumentalisiert wird. Ein panislamisches System von architektonischen Zitaten dient der Integration in eine »Islamische Geschichte« und der Konstruktion einer arabisch-islamischen, nationalstaatlichen Identität.
Markus RITTER, Wien:
Die Thronbilder des Sulaimaniya-Palastes in Karaj und Bildtraditionen der Herrscherdarstellung in Iran
Die Wandmalereien des sogenannten Sulaimainiya-Palastes in Karaj sind seit ihrer Bekanntmachung durch H. v. Gall (1977) nicht näher untersucht worden. Eines der beiden Wandbilder zeigt ein Thema, das im frühen 19. Jahrhundert eine auffallende Bedeutung, in der Geschichte persischer Malerei aber kaum Vorbilder hat: der thronende Herrscher mit seinen Söhnen. Das Referat sucht es als Thema näher zu bestimmen und aus dem historischen Kontext einer Herrschaftsform der Zeit zu erklären. Es verfolgt, wie in Karaj und vergleichbaren Bildern ein neuer Bildtypus der Repräsentation der Herrschaft formuliert wird. Für das Bildschema läßt sich auf Parallelen in älteren Bildtraditionen weisen, so daß sich die Frage des Bezuges und seiner Wertung als Rückgriff oder Kontinuität stellt.
Dorothée SACK / Christoph KONRAD, Berlin:
Neue Forschungen zu Rufat HišÄm
Mit Friedrich Sarres und Ernst Herzfelds archäologischer Reise ins Euphrat- und Tigiris-Gebiet beginnt vor genau 100 Jahren die systematische Erforschung von Ruá¹£Äfa, dem Limesposten unweit des syrischen Euphrat, welcher als Pilgerstadt des Hl. Sergios und als Residenz des Kalifen HišÄm ibn ÝAbd al-Malik überregionale Bedeutung besaß. Im vergangenen Jahr konnte in einem Kooperationsunternehmen zwischen dem Deutschen Archäologischen Institut und der Direction Générale des Antiquités et des Musées de la Syrie unter der Leitung von Dorothée Sack (TU-Berlin, FG Historische Bauforschung) ein umfassendes neues Forschungsprogramm gestartet werden. Eine archäologische Karte der Stadt und ihres Umlandes mit Zeitschichtenplänen wird erstellt, die Ruine touristisch erschlossen ('Side Management'). Die wissenschaftliche Bearbeitung und Sicherung der erhaltenen Großbauten wird fortgesetzt – Stadtmauer, 'Basilika A', 'Zentralbau'. Ein besonderer Schwerpunkt des Unternehmens liegt auf der weiteren Erforschung des Umlandes der spätantiken Stadtruine. Durch Magnetik (H. Becker) und die konsequente Aufnahme der an der Oberfläche sichtbaren architektonischen Befunde (U. Siegel/T. Horn) konnten zahlreiche Detailinformationen über die Nekropole der Stadt und die der Residenz des HišÄm ibn ÝAbd al-Malik gesammelt werden. Darüber hinaus werden an ausgewählten Fundpunkten archäologische Untersuchungen (Ch. Konrad) durchgeführt. Im Mittelpunkt dieser Untersuchungen steht seit der Frühjahrskampagne 2007 ein bereits 1954 von W. Karnapp sondierter großer Qaá¹£r ('FP 220‘), der durch seinen außergewöhnlich guten Erhaltungszustand und zahlreiche Stuckfunde wesentliche neue Erkenntnisse zur umaiyadischen Architektur und Bauplastik erwarten läßt.
Robert SCHICK, Hyderabad/Bamberg:
'Abd al-Malik's Bronze Inscriptions over the East and North Doors of the Dome of the Rock.
Everyone knows about 'Abd al-Malik's mosaic inscriptions around the interior of the dome of the Dome of the Rock, but much less well known are the two inscriptions on bronze sheets that 'Abd al-Malik placed above the east and north doors of the Dome of the Rock. Those two inscriptions have been overlooked because for decades they were in an inaccessible storeroom. But recently Khader Salameh, the Director of the Islamic Museum on the Haram al-Sharif in Jerusalem, brought them out of storage, making them accessible for study as part of a larger project that he and I are working on to catalogue the Arabic stone inscriptions in the Museum holdings.
This presentation will show new photographs of those two inscriptions and discuss 'Abd al-Malik's text, the portions that Ma'mun replaced, the letter shapes of the inscriptions and the general significance of the two inscriptions.
Catarina SCHMIDT ARCANGELI, Florenz:
"Sacro idolo nostro"? Herrschaftszeichen der venezianischen Dogen beim Empfang orientalischer Gesandtschaften
Andreas SCHMIDT-COLINET, Wien:
Zur Ikonographie zweier palmyrenischer Sarkophage
Zwei vor einigen Jahren in Palmyra geborgene Sarkophage aus der ersten Hälfte des 3. Jhs. n. Chr. verdienen wegen der auf ihnen dargestellten Reliefs besondere Beachtung. Die ikonographischen Programme beider Sarkophage zeigen paradigmatisch die Ambivalenz bzw. Multivalenz im Identitätsverständnis der jeweiligen Auftraggeber bzw. Grabherren. Diese sind einerseits als Inhaber des Römischen Bürgerrechtes, andererseits zugleich als vornehme Karawanenherren und palmyrenische Priester in Szene gesetzt. Auch andere ikonographische Details lassen die Wechselwirkung bzw. Verschmelzung von römischen und einheimisch-palmyrenischen Vorstellungen deutlich erkennen.
Pjotr SCHOLZ, Lublin:
Der Herrscher als Reiter: Die Frage nach den Vorbildern
Neben den m.E. astral-kosmisch ausgerichteten Bildern von Herrschern, die man nahe dem Kosmokrator ansiedeln und mit einer sehr alten Tradition verbinden kann, gibt es auch den Topos des Herrschers als Reiter. Er ist kaum als genuin islamisch zu bezeichnen. Seine Wurzeln sind indogermanisch, zentralasiatisch, und hellenisch-hellenistisch. Seine Sakralität ist nicht zu leugnen und findet ihre Kontinuität in dem Bild des über den Himmel reitenden Muhammed. Damit wird der quasi hagiographische Charakter dieses Topos nicht nur faßbar, sondern auch interessant für eine tiefgreifende Untersuchung. Die Frage der Genesis führt zu den Reitervölker und der Benutzung des Pferdes für Repräsentationszwecke. Dabei eröffnet sich die Problematik der Sonnensymbolik, die den islamischen Herrschern ihre Aura verleiht, wie man z.B. in der Ikonographie Mogulindiens und Irans nachvollziehen kann. Nicht nur der asiatische Raum ist hier beispielhaft, sondern auch der Raum um das Rote Meer und die sich dort schon seit der Spätantike ausbreitenden berittenen Stämme der Blemmyer (Bega), der Noubai (Silko als Reiter an der Wand der Kalabscha-Tempel), bzw. die schwer definierbaren Völker der Qustol/Ballana-Kultur im Niltal.
SZANTO Iván, Budapest:
Mural Painting and Court Diplomacy to the East of the European Baroque
It is widely held that the four large historical scenes in the Chihil Sutun pavilion at Isfahan (ca. 1647-1666 AD) encapsulate the transformation of both Persian painting and Iranian society during the later Safavid period. Less well known is the fact that these murals are better to be interpreted as links in a perished chain of large-scale historical depictions rather than as unprecedented innovations. Not even in contemporary Isfahan they were singular examples. Their deceptive pre-eminence springs from their fortunate survival. However, in stylistic terms the Chihil Sutun frescoes, along with a lot more in the period, represent a true departure from the traditional Iranian way of seeing. In place of that, the new source of inspiration came from the European baroque. But the result, with its rather two-dimensional and ornamental quality, became deeply un-European. It has much closer connections in the art of different countries around the same longitude. A unique seventeenth-century oil painting in Budapest depicts the murals in the Granovitaya Palata in Moscow. This painting reflects a similar, secular context for the frescoes and the same role assigned to them. Diplomacy and commerce were the main contributors to this style which reshaped the art of a huge area along the trading routes stretching between the Baltic Sea and the Caspian. My presentation will focus on these connections.
Eva-Maria TROELENBERG, Florenz:
Bilder vom Orient: Kulturgeschichtliche Überlegungen zur Münchner „Ausstellung von Meisterwerken Muhammedanischer Kunst“ 1910
Unter den fast 4000 Objekten, die auf der Münchner „Ausstellung von Meisterwerken Muhammedanischer Kunst“ 1910 gezeigt wurden, befand sich auch eine Gruppe von etwa 50 „Europäischen Darstellungen mit Bezug auf den Orient“. Bis auf wenige Ausnahmen waren sie gemeinsam in einer Art grafischem Kabinett ausgestellt – es handelte sich überwiegend um frühneuzeitliche Zeichnungen, Holzschnitte oder Kupferstiche, die das osmanische Reich, seine Topographie, seine Sitten und Gebräuche und nicht zuletzt seine Herrschergestalten zum Thema hatten.
In den zeitgenössischen Besprechungen und Kommentaren zur Ausstellung spielt diese Abteilung kaum eine Rolle, einzig Arnold Nöldekes knappe Beschreibungen für den Ausstellungsführer erlauben eine Rekonstruktion dieses grafischen Kabinetts. Es schien also zunächst lediglich als ästhetische Ergänzung innerhalb einer Ausstellung von Meisterwerken genuin islamischer Kunst gedacht und bot offenbar wenig Anlass zur theoretischen Reflexion.
Aus heutiger Sicht ist hier der Themenkomplex des ikonografischen Orientalismus aufgespannt, an den sich beispielhaft eine Reihe von Fragen knüpfen lassen, etwa: Von welchen Prinzipien war wohl die Auswahl gerade dieser Motive geleitet, und welche Funktion erfüllten sie schließlich – bewusst oder mittelbar – innerhalb des größeren Ausstellungskontextes?
Fernando VALDÉS FERNÁNDEZ, Madrid:
Die Gesandtschaft Ottos I zu Abd ar-Rahman III und das offizielle Bild der Kalifen von Córdoba
Stefan WEBER, London:
Räume und Praxis von Herrschaft und Repräsentation in den osmanischen BilÄd aš-ŠÄ